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Auf ihrer Haupttagung vom 06.-08.05. 2008 in Bonn verabschiedete die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Männerarbeit der EKD folgendes Positionspapier zu Klimawandel und Umweltschutz. 


„… Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.“

Männerarbeit der EKD zu Klimawandel und Umweltschutz


„Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.“1 In diesem Liedvers kommt zum Ausdruck: Die Erde ist den Menschen mit dem Auftrag anvertraut, sie zu bebauen und zu bewahren. Wir dürfen dies tun in der Gewissheit, dass nicht aufhören wird „Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22). Die Bibel versteht diese Zusage allerdings nicht als Freibrief, die Schöpfung für eigene Zwecke auszubeuten.

Heute wird uns immer mehr bewusst: Die Schöpfung leidet unter dem Raubbau durch den Menschen und ist bereits in Teilen irreparabel geschädigt. Der 4. Sachstandsbericht des Weltklimarates der UN von 2007 macht deutlich: Der gegenwärtige Klimawandel ist durch den Menschen mit verursacht. Jetzt ist die Zeit, eine Katastrophe zu verhindern. Noch kann der Schadstoffausstoß weltweit auf ein verträgliches Maß reduziert werden. Wir verstehen die Zusage Gottes für den Erhalt der Schöpfung als ein Geschenk, das uns ermutigt und verpflichtet, das Zeitfenster zu nutzen.

Mit dem Klimawandel verbindet sich zudem die Frage der Gerechtigkeit. Die Industriestaaten als Hauptverursacher nehmen weniger Schaden als die Entwicklungs- und Schwellenländer, die die Hauptlast des Klimawandels zu tragen haben. Der Treibhauseffekt bedroht ganze Weltregionen und verschärft die Armut, er untergräbt die Entwicklungsmöglichkeiten der Dritte-Welt-Länder und verstärkt die Ungerechtigkeit.

Der Klimaschutz berührt somit auch Fragen der Menschenwürde und der Teilhabegerechtigkeit an den natürlichen Ressourcen. Deshalb entschied der UN-Menschenrechtsrat im März 2008 in Genf, dass der Klimawandel auch eine Frage der Menschenrechte ist.

Darüber hinaus stellt der Klimawandel eine technologische Herausforderung dar. Durch Technik verursacht, werden die Folgen des Klimawandels und der Stopp der Erwärmung der Erde nicht ohne Technik zu bewältigen sein. Für die Männerarbeit kommen damit Männer in besonderer Weise in den Blick: Die Sorge um das Leben, die Fürsorge für alles Lebendige und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen kann nicht delegiert werden. Wie die Sorge um das Leben und die Erforschung innovativer Technologien in Einklang zu bringen sind, haben in der Geschichte wiederholt Männer2 verdeutlicht, die wegweisende alternative und umweltverträgliche Strategien entwickelten.

Notwendig ist eine selbstkritische Reflexion der bisherigen, weitgehend von Männern dominierten Technologiepolitik. Dabei geht es um folgende Fragen: Welche Technologien können von Menschen verantwortet werden? In welcher Form können Techniken nachhaltig eingesetzt werden? Können wir uns Technologien leisten, deren Beherrschbarkeit durch den Menschen in Frage gestellt ist? Wie sieht eine gelungene Balance zwischen Ökologie und Ökonomie aus? Wie sind ökonomische Wettbewerbsfähigkeit und eine nachhaltige Technikfolgenabschätzung in Einklang zu bringen? Werden die Menschen in den Industrienationen den Klimawandel ohne Einschränkungen ihrer Lebensweisen bewältigen können?

Angesichts des dramatisch beschleunigten Klimawandels und unseres biblischen Auftrages zur Bewahrung der Schöpfung und zum Eintreten für eine weltweite Gerechtigkeit bezieht die Männerarbeit der EKD Position:

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat vor Augen geführt, dass ihre Folgen für Mensch und Umwelt irreversibel und nicht verantwortbar sind. Daher begrüßt die Männerarbeit den Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie in Deutschland. Sie sieht in diesem Energieträger auf längere Sicht kein vertretbares Instrument des Klimaschutzes.

Der Ausstieg aus der Atomkraft muss mit einem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energieträger, mit der Effizienzsteigerung bei der Energiegewinnung und mit einer wirkungsvolleren Energieeinsparung verbunden werden. Um in Zukunft die geforderte Emmissionsreduzierung zur erreichen, ist den erneuerbaren Energiequellen der Vorrang einzuräumen. Deshalb sieht die Männerarbeit unter Klimaschutzgesichtspunkten den geplanten Bau von neuen Kohlekraftwerken mit großer Sorge. Die Zeit ist reif für eine energiepolitische Weichenstellung. So sollte die Stromerzeugung aus hocheffizienten dezentralen Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung mit Nachdruck gefördert werden. Der Klimawandel macht aber auch für andere Bereiche – wie beispielsweise in der Verkehrspolitik – Veränderungsstrategien erforderlich.

Die Männerarbeit begrüßt das kirchliche Engagement in der Klimadebatte. Zugleich fordert sie, dass dieses nicht ohne praktische Konsequenzen für den eigenen kirchlichen Bereich bleiben darf. Deutschlandweit haben bereits viele Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen den „Grünen Hahn“ eingeführt. Seit Januar 2008 steht beim Projekt „Zukunft einkaufen“ das Einkaufsverhalten der Kirchen im Mittelpunkt. Es gilt, diese Initiativen zu erweitern und z. B. durch FSC-Zertifizierung für Kirchenwald und durch ein wirkungsvolles Gebäudemanagement zu ergänzen. Ziel und Intention solch konzertierten kirchlichen Handelns muss es sein, Kirchengemeinden, kirchliche Einrichtungen und Veranstaltungen zu Erfahrungsräumen für nachhaltigen und klimaverträglichen Konsum in unserer Gesellschaft zu machen. Denn Ehrfurcht vor dem Leben beginnt im Alltag.

Die Männerarbeit der EKD bittet die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, sich bei ihrer kommenden Tagung zum Klimaschutz deutlich in obigem Sinne zu positionieren und somit ihren Einfluss auf die politische Diskussion öffentlich wirksam wahrzunehmen.

Die Männerarbeit der EKD begreift die aktuelle Klimadiskussion als Herausforderung gerade für Männer und somit für die Männerarbeit in den Gemeinden. Sie fordert zur selbstkritischen Reflexion eines traditionell männlich geprägten Umgangs mit der Schöpfung auf und stellt die Frage nach den biblisch-theologischen Grundlagen für Hoffnung und Veränderung.
Der Klimawandel geht alle an. Deshalb wird bei der Diskussion in den Gruppen und Kreisen der Männerarbeit immer auch die Frage eine Rolle spielen, was jeder Einzelne zur Emmissionsreduzierung beitragen kann und welche Konsequenzen der Klimawandel für einen nachhaltigen, allen Menschen grundsätzlich möglichen Lebensstil haben könnte.
 

1. Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Nr. 634
2. Zum Beispiel der Ökonom Ernst Friedrich Schumacher oder der Computerentwickler Joseph Weizenbaum

 

Die Mitgliederversammlung, Bonn am 08. Mai 2008